Utopie

Die Utopie

 

Valeska Peschke, Vulkan: Umstülpen/Inside Out, digitale Collage, 2015

Utopia Res publica Europa

Die Idee hinter dem interdisziplinären Projekt Amikejo ist der Impuls zum kompletten Um- und Neudenken der Zusammensetzung von und Auseinandersetzung mit Regionen und Kulturen. Gemeinsam mit Ulrike Guerot führt der Gedanke von Amikejo weg von Nationalstaaten und hin zu einer Republik Europa, in welcher die Menschen und ihre jeweiligen Kulturen in den Mittelpunkt gestellt werden.

 

 

 

 

Valeska Peschke, Vulkanforschungslabor, Martin-Gropius-Bau Berlin, Goldrausch 1996

Der vulkan als Sinnbild einer politisch sozialen Utopie:

Valeska Peschke hat sich intensiv mit Vulkanforschung beschäftigt. Der Vulkan steht als Sinnbild für die Utopie Europas; Der Krater als Mund, der von den inneren globalen Zusammenhängen und Kontinenten spricht, vom ausgestülpten geschmolzenen Erdinneren ausgehend. Aus dem Erdinneren entsteht eine glühende, erschütternde Eruption mit Kristall klingendem und fruchtbringendem Ascheregen. Der Vulkan ist männlich und weiblich zugleich. Als skulpturaler Prozess schichten sich die unterschiedlichen Bestandteile eines Vulkans letztlich zu einem sichtbaren Zeichen, das für Zerstörung, Kraft (männlich) und Formbarkeit, Fruchtbarkeit (weiblich) zugleich steht. Dieser lebendige, kreislaufartige Prozess mündet in eine Erneuerung, die aus sich selbst erwachsen ist. Der Moment dieses Ausbruchs ist der Moment des Instant. Es ist der Zwischenraum, das Jetzt, zwischen Ursache und der darauffolgenden Transformation. Dieser Zwischenraum oder der Moment des Ausbruchs des Vulkans ist gedanklich beeinflussbar, formbar, ein Raum, in dem etwas geschehen kann. Der Vulkan ist für Valeska Peschke ein sichtbares skulpturales Zeichen, ein Sinnbild für Aufbruch und Umwandlung. Europa muss als Vulkan angesehen werden, als Wechselwirkung zwischen verschiedenen Kontinentalplatten und den darüberliegenden Kulturen. Chaos, Ungewissheit, ein gewisses Niveau der Härte, des Schmutzes und Rauheit ist wesentlicher Bestandteil für Kunst und Kreativität. (z.B. Detroit, Kunst im Untergrund) Geschichtlich können wir dieses Bild auch in der Jahrhundertwende vom 19. ins 20. Jahrhundert (Gründerzeit vs. Start-ups) einordnen, als voller Energie unendlich viele Gebäude „aus der Erde schossen“, die Kunst bahnbrechende Wege einschlug und die Literatur die Ambivalenz zwischen der Euphorie der blühenden Wirtschaft und der Unsicherheit der Menschen (Stechlin), als sich in der gewohntem Umgebung plötzlich alles änderte. Darüber hinaus ist auch der Mauerfall 1989 nach dem Ende des kalten Krieges ein Moment der Eruption, als sich für tausende von Menschen ein Raum erschloss, der voller Möglichkeiten schien. Es war nicht nur eine Wiedervereinigung, sondern eröffnete ein grundlegendes Umdenken und Neudenken. So wie auch der Vulkan immer wieder aufgrund seines Ausbruchs eruptieren kann, so müssen wir als Gesellschaft auch erkennen, dass wir nicht in der Transformation nach dem Ausbruch stehen bleiben dürfen. Der fruchtbare Ascheregen muss auch Früchte tragen können, wir dürfen als Landschaft gedanklich nicht zu Stein erstarren.

Als Künstlerin beschäftigt sich Valeska Peschke schon seit mehreren Jahren mit Vulkanen als kreative Darstellung gesellschaftlichen Geschehens. Dieses langjährige globale Kunstprojekt wurde in den vergangenen Jahren durch großräumige Installationen wie „Aschewolke“, „First World Catastrophy Camp“ und „Vulkane in Berlin“ umgesetzt. Als „Vulkanforscherin“ führte sie Reisegruppen durch Städte und setzte sichtbare Zeichen im Stadtraum. .

 

Sammelschachteln für Auswürflinge, 1996

 

Mein Raum ist die Idee, den durchgehe ich wie bei einer Reise.

Die Stadt besteht für mich aus Orten, an denen Denk-, Zeit- und Materialströme erlebbar sind. In meiner Arbeit geht es um die Entwicklung

konzeptioneller Welten und Handlungsanweisungen, die die Möglichkeit bieten sie zu erleben oder zu beschreiten. Aus der Beobachtung, wie sich

die Modellwelten zur Umwelt verhalten, ergeben sich Prototypen von Objekten oder Behausungen, wie auch kartographische, ikonographische und

topologische Untersuchungen. Durch diesen Raum beginnt eine Reise, wobei sich Reisender und Modell ständig ändern können. Diesen Prozess

habe ich „Vulkanarbeit“ genannt.

 

1 Susan Sonntag: Der Liebhaber des Vulkans , Roman 1989

2 Theodor Fontane: Stechlin. Roman. Hrsg. von Klaus-Peter Möller. Aufbau, Berlin 2001

3 Valeska Peschke, Vulkane in Berlin, Ein Reisebuch, Goldrausch, Katalog zur Ausstellung, Martin-Gropius-Bau Berlin,1996

4 Katja Krafft, Vulkanforscherin, National Geographic, 1989

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